Arbeitstagung der GIRAF

St-Maurice (pac) – April  2018: Seit dem Inkrafttreten von Harmos werden die ehemaligen Kindergartenklassen gemeinsam mit der früheren 1. und 2. Klasse zum vierjährigen Zyklus 1 geführt. Auch wenn dieser Wechsel die grundlegende mit sehr jungen Kindern realisierte Arbeit aufgewertet hat, besteht trotzdem die Sorge einer «Verschulung in Richtung der Primarschule“. Die GIRAF als Interventions- und Forschungsgruppe für die frühe Bildung ist eine gemeinsame Gruppe der PH-Wallis und der PH-Waadt. Sie hat sich einen Namen in dieser Domäne gemacht. Der durch die GIRAF organisierte Studientag war hochstehend und schloss mit dem Vortrag «Kindergarten auf der Suche nach einem Evaluationsmodell» der belgischen Dozentin Sylvie Van Lint Muguerza ab.

thumb GIRAFIsabelle Truffer vertritt die PH-VS im Rahmen der frankophonen Koordination für die Fachdidaktiken und insbesondere für die Schaffung eines Masters in der Didaktik der frühen Bildung. Die PH-VS musste sich stark engagieren, damit zwischen der prestigevollen Mathematik und den Sprachen, die Didaktik der frühen Bildung Lernens ihren Platz als vollwertige Masterausbildlung im Hinblick auf den Nachwuchs der Dozierenden an den PHs gewinnen konnte. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Isabelle Truffer der PH-VS und Anne Clerc der PH-VD mündete in ein sehr wirksames und engagiertes Tandem, das bereits einige Publikationen zur dieser Thematik veröffentlicht hat. Das sympathische Kürzel GIRAF gab diesen originellen Namen der Arbeitsweise, die Verbindungen mit zahlreichen Hochschulen, von Göteborg in Schweden bis nach Canada geknüpft hat. In seinem Grusswort erinnerte Patrice Clivaz, Direktor der PH-VS, daran, dass die PH-VS das Privileg hat, mit ihren beiden Sprachen zwei verschiedene historische Praxis im Rahmen des Kindergartens abzudecken.

Sensible Variationen je nach Kanton
In den Einstiegsreferaten legte Laetitia Progin der PH-VD den Akzent auf die neue Rolle der Schuldirektionen, die die Schule nicht nur verwalten, sondern auch entwickeln müssen. Ihre Analyse der Evaluationsvorschriften in den Kantonen Genf und Waadt zeigte erhebliche Differenzen in der Anzahl von Vorschriften für die ersten beiden Jahre des Zyklus 1. Die nachfolgende Diskussion mit den Vertretenden der Lehrerinnen- und Lehrervereinigung und der Direktionen zeigte, dass das Thema Evaluation bei den ganz Kleinen delikat, manchmal sogar tabu ist. 

Der Schülerberuf
Nach der Intervention von Anne Clerc vor einem Publikum, wo sich circa 15 Studentinnen der PH-VS dazugesellt hatten, legte die belgische Professorin Sylvie Van Lint Muguerza ihre Aufmerksamkeit auf das Erlernen des Schülerberufes. In Belgien gehen quasi alle Kinder mit 2,5 Jahren in die „Mutter“-Schule. Die Forschung von Van Lint Muguerza erwähnt eine Feststellung eines 5-jähriges Kindes: «Heute habe ich gelernt, wie ich Pipi machen soll, wenn ich nicht muss». Ihre Beispiele bewegen sich zwischen den sehr ruhigen und den kognitiven Schülern, welche unterschiedliche Kompetenzen und soziale Voraussetzungen mitbringen. Im Hinblick auf die Schule stellen diese Differenzen eine Herausforderung dar, denn die Lehrperson muss wissen, wie sie es unter diesen Umständen ermöglicht, dass das einzelne Kind klar versteht, was es lernen soll. Statt Hausaufgaben zu erteilen, plädiert die Referentin für ein einfaches Lerntagebuch. Dabei sollte das Kind, bei einem Auftrag wie Steine aussuchen und zusammentun, im Idealfall dies nicht tun, weil es die Lehrerin verlangt, sondern weil es Kathedralen bauen will.