Einen Pilot oder eine Lehrperson ausbilden

Die reflexive Praxis des Majors Mauron

St-Maurice (pac) April 2017: Major Nicolas Mauron kommandiert eine Jagdpilotenstaffel der Schweizer Luftwaffe. Die Ausbildung eines Piloten hat Gemeinsamkeiten mit derjenigen einer Lehrperson. Im Rahmen der Open-konferenzen vom Montag an der PH-VS wurde diese Feststellung ersichtlich. Es gibt  Ähnlichkeiten zwischen der Ausbildung der Piloten und derjenigen der Lehrpersonen, besonders im Rahmen des Debriefings respektive der reflexiven Praxis.

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Die Konferenz, die der Leiter des DUE (Dienststelle für Unterrichtsentwicklung) Hervé Barras organisiert, widmet sich innovativen Felder. So gehört beispielsweise das Herbeiziehen der Modalitäten für die Ausbildung von Schweizer Armeepiloten für den Vergleich der Ausbildungsmethoden an der PH-VS dazu. Gegenüber einem heterogenen Publikum, bestehend aus verschiedenen Berufsleuten und Studierenden der PH-VS, präsentierte Major Mauron zuerst den langen Weg, den die angehenden Piloten bestreiten müssen, um die hochkomplexe Beherrschung einer millionenschweren Kampfmaschine zu garantieren. Unter dem brutalen Einfluss der Fliehkraft muss der Pilot einen kühlen Kopf behalten, um bei der simultanen Lektüre von verschieden Displays, in Sekundenschnelle die richtigen Entscheide zu treffen.

Der Einsatz von Simulatoren
Die Komplexität der zu realisierenden Arbeiten aber auch die sehr hohen Kosten der Flugstunden haben dazu geführt, die Pilotenausbildung mit der Hilfe von Flugsimulatoren durchzuführen. Soweit sind wir in der Pädagogik zum Glück noch nicht, obwohl die Technologie dies erlauben würde. Denn vorstellbar wäre, ebenfalls für die Lehrerbildung mittels Brillenmaske eine Art « virtuelle Klasse » vor den Augen zu führen. Diese Maske würde alle Reaktionen der angehenden Lehrperson messen. Viele Unterrichtssequenzen werden heutzutage gefilmt. Somit gehen wir schon bereits in diese Richtung. Alles würde „parametrisiert“ werden und alles wäre sehr kühl und mathematisch analysiert. Als ob ein ein Roboter arbeiten würde. Die auf die Konferenz folgende Debatte bewies trotzdem, dass auch in einem so hochtechnisierten Umfeld wie der Luftwaffe, der Mensch im Zentrum bleibt. Der allerbeste Computer kann nicht alles vorsehen, was im Rahmen unterrichtlicher Sequenzen alles passieren kann. 

Das Debriefing als Garantie für’s Überleben
In einem modernen Kampfjet kann alles sehr schnell passieren und eine Fehleinschätzung führt zur Katastrophe. Die Vorbereitung und die gründliche Analyse der Flugübungen haben eine lange Tradition. Kein Flug wird ohne eine lange Vor- und Nachbereitung ausgeführt. Dies alles gehört zum « Debriefing » und ist die Überlebensgarantie in einer solchen mit hoher Spannung ausgeführten Handlung. An der PH-VS nennt man diesen Prozess „reflexive Praxis“. Somit wird Distanz gewonnen. Durch eine ständig kritische Begleitung werden die Verfahren fortlaufend verbessert. 

Foto : Hervé Barras und Nicolas Mauron