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Communiqué zur Thematik « Lehrpersonenmangel und Videokonferenzen »

In mehreren Schweizer Kantonen besteht ein akuter Lehrpersonenmangel im Fach Französisch. Die IT-Firma Cisco versucht im Rahmen eines Pilotprojekts diese Lücke mittels Videokonferenzen zu schliessen.

Die Pädagogische Hochschule Wallis (PH Wallis) begrüsst Innovation, Entwicklung und Forschung im Bildungswesen. Bei gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen und Chancen im Praxisfeld sind alternative Lösungen zu testen bzw. zu erproben. An der PH Wallis steht dafür bspw. exemplarisch der Roboter «Distanzia», welcher es Schülerinnen und Schülern, welche aus krankheitsbedingten Gründen zuhause bleiben müssen, erlaubt, mithilfe eines Monitors auf Rädern am Unterricht teilzunehmen.

Bei derartigen Einsätzen technischer Mittel ist jedoch nicht zu vergessen, dass der direkte Kontakt vor Ort (noch) nicht 1:1 ersetzt werden kann. In der Bildungsforschung ist man sich einig darüber, dass die Beziehung zwischen Lehrpersonen und Lernenden sowie die individuelle Unterstützung durch bspw. Feedbackgespräche oder dem Aufzeigen von Lernstrategien essentiell für das Lernen der Schülerinnen und Schüler ist. Deshalb sind Medien grundsätzlich immer als Hilfsmittel zu verstehen und nicht als Ersatz für die Lehrperson.

Aus pädagogisch-didaktischer Sicht schaut die PH Wallis gespannt auf die Forschungsergebnisse im Rahmen des Cisco-Projektes, denn folgende Fragen stehen dabei u. a. sicherlich im Raum:

  • Sind Videokonferenzen, geführt durch Fachlehrpersonen, wirksamer für das Lernen der Schülerinnen und Schüler als der – wie in einigen Kantonen praktizierte – Unterricht durch fachfremde Lehrpersonen?
  • Kann die individuelle Begleitung von Lernenden durch Videokonferenzen gewährleistet werden und beabsichtigt Cisco zusätzliche Elemente, die diesem Aspekt des Unterrichts gerecht werden?
  • Werden die Videokonferenzen durch andere Medien bzw. weiteres Unterrichtsmaterial ergänzt? Wenn nicht, hat das einen Einfluss auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler? Wenn doch, wie werden diese in die Videokonferenzen integriert?
  • Wie gestaltet sich das Klassenklima bei den Videokonferenzen?
  • Besteht trotz einer Übertragung mittels Videokonferenzen genügend aktive Lernzeit seitens der Lernenden?
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In den letzten Wochen wurde in den Lokalmedien immer wieder der Lehrermangel thematisiert. Dies dürfte ein Grund sein für das grosse Interesse am Lehrberuf. Am gestrigen Abend fand an der Pädagogischen Hochschule Wallis in Brig für Interessierte die Infoveranstaltung zum Bachelorstudiengang «Primarstufe» statt. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen rund doppelt so viele Personen an der Infoveranstaltung teil.

An der Pädagogischen Hochschule Wallis in Brig kann nebst anderen Studiengängen ein Bachelor of Arts in Pre-Primary and Primary Education erlangt werden. Diese Ausbildung dauert drei Jahre und berechtigt die Studierenden, an den beiden ersten Zyklen (1H-8H) zu unterrichten und sich in den Fachdidaktiken in einem dieser Zyklen zu spezialisieren. Dabei wird während der Ausbildung auf einen intensiven Theorie-Praxis-Bezug Wert gelegt. Die Studierenden sollen theoretisches Wissen in den Praktika anwenden und sich so optimal auf den Lehrer- und Lehrerinnenberuf vorbereiten. Ein grosses Plus der PH Wallis ist die Zweisprachigkeit. Diese wird dadurch gefördert, dass ein Teil der Ausbildung im französischsprachigen Kantonsteil in St. Maurice absolviert wird. Nach der Ausbildung sind die ausgebildeten Lehrpersonen berechtigt, in der ganzen Schweiz zu unterrichten.

Verwaltungsgebaude

Ein Schultrakt und das Verwaltungsgebäude der PH Wallis in Brig

Konzept Partnerschulen an der Pädagogischen Hochschule Wallis

Seit dem Schuljahresbeginn 2019/2020 sind 5. Semester-Studierende der Pädagogischen Hochschule Wallis (PH VS) an Oberwalliser Schulen als «Lehrpersonen in Ausbildung» tätig. Die PH VS setzt damit ein schon länger geplantes Projekt um, welches zum Ziel hat, Studierende im dritten Studienjahr durch eine enge Verbindung von berufspraktischer und theoretischer Ausbildung optimal auf die Tätigkeit als Lehrperson vorzubereiten. Dazu sollen die Studierenden die Möglichkeit erhalten, in den Lehrberuf mit all seinen Facetten einzusteigen. Parallel finden Ausbildungsblöcke sowie Planungs- und Reflexionsseminare an der PH VS statt.

Lehrpersonen werden nicht kompetent durch das Wiedergeben oder regelhafte Anwenden von theoretischem Wissen. Vielmehr steht das Können mit und durch Praxissituationen und wissenschaftlichem Wissen im Vordergrund. Die Auseinandersetzung mit der Praxis, bei der die Theorie Orientierung und Reflexion ermöglicht, führt zu selbständigem Aufbau von Lehrkompetenz. Will man diese Lehrkompetenz ernst nehmen und individuelle Kompetenzprofile der Studierenden ermöglichen, dann kann eine Ausbildung nicht normiert und für alle in gleichem Masse vonstattengehen. Der gewünschte Selbstlernprozess benötigt in der Lehrpersonenausbildung offene Strukturen, Wahl- und Handlungsfreiräume und eine enge Zusammenarbeit von an der theoretischen und praktischen Ausbildung beteiligten Personen. Dabei ist zu vermeiden, dass die Studierenden – wie oftmals bei Hochschulen kritisiert – in zwei separierten Welten (Wissenschaft – Praxis) Lernerfahrungen machen. Hier setzt die Pädagogische Hochschule Wallis mit dem Konzept Partnerschulen an.

Die Realisierung des Konzepts Partnerschulen

Die Studierenden im letzten Studienjahr füllen ab August 2019 durch das Konzept Partnerschulen nicht mehr die Doppelrolle «Studierende/r» und «Praktikant/in» aus, sondern sind nun als «Lehrpersonen in Ausbildung» zu bezeichnen. Sie sind von Beginn an in den gesamten Schulbetrieb einer Oberwalliser Schule involviert und übernehmen Verantwortung. Dabei werden sie von ausgebildeten Praktikumslehrpersonen und dem Schulteam vor Ort unterstützt. Dozierende und die Pädagogische Fachberatung der PH VS arbeiten an der PH und vor Ort mit den Lehrpersonen in Ausbildung und den Praktikumslehrpersonen sowie dem Schulteam zusammen. Je zwei Lehrpersonen in Ausbildung bilden Unterrichtsteams, die den Unterricht gemeinsam vorbereiten und durchführen. Dabei wird von zwei sogenannten Lehr-Lernfeldern ausgegangen. Im Lehr-Lernfeld Hochschule wird das Theorieangebot für den Lehrberuf und damit auch für das Handeln in der Praxis bereitgestellt. Das Lehr-Lernfeld Schule umfasst alle Akteure und Tätigkeiten in der Schule. Diese beiden Lehr-Lernfelder spielen im Konzept Partnerschulen eng zusammen. Herausforderungen oder Fragestellungen des Schulalltags können bspw. direkt in Seminaren oder Onlinekursen an der PH mit anderen Lehrpersonen in Ausbildung und Dozierenden diskutiert werden. Umgekehrt kann eine spannende Theorie in der Partnerschule ausprobiert und in Rücksprache mit Praktikumslehrpersonen, Tandempartnerinnen, Mentoren der PH oder auch der Pädagogischen Fachberatung adaptiert werden. Durch diesen stetigen Austausch entsteht das erwünschte individuelle Kompetenzprofil und Wissenschaft und Praxis gehen authentisch und sinnvoll zusammen.

Organisation des Studienjahres

Es versteht sich von selbst, dass dieses Konzept einige organisatorische Änderungen und Neuerungen mit sich bringt. Fanden bis anhin die Praktika des dritten Studienjahres in Blöcken statt, dauert nun die berufspraktische Ausbildung während des gesamten Schuljahres an. Die zwei Lehrpersonen in Ausbildung, welche für eine Klasse verantwortlich sind, können ohne Unterbruch bzw. Stellvertretungen die Klasse im Schuljahr 2019/2020 führen. Planungs- und Reflexionsseminare sowie andere Veranstaltungen an der PH VS werden während einzelnen Tagen in den Schulferien oder an schulfreien (Halb-)Tagen von beiden Lehrpersonen in Ausbildung besucht. Während wichtigen Schuljahresperioden wie bspw. dem Schulbeginn, den Elterngesprächen oder dem Semester- und Schulschluss unterrichten die Lehrpersonen in Ausbildung in Blöcken bis zu fünf Wochen gemeinsam die Klasse. An den Lehrveranstaltungen der PH VS nimmt jeweils alternierend eine Person des Tandems teil, während die andere Person die Klasse unterrichtet.

Ein vielversprechendes Pilotprojekt

Die bisher ausschliesslich positiven Rückmeldungen deuten darauf hin, dass das Konzept ein Erfolg wird und ergänzend mit zwei weiteren Teilprojekten der PH VS (Reorganisation des 1. und 2. Studienjahres sowie die bessere Angliederung der Weiterbildung an die Grundausbildung) zu einem Standardmodell der PH VS wird. Das Projekt dient nicht nur der Stärkung der Lehrpersonen in Ausbildung für eine optimale Vorbereitung als Berufsbeginner/-innen, sondern ermöglicht allen an der Ausbildung Beteiligten die Realisierung neuartiger Ausbildungsmodelle und eine noch engere Zusammenarbeit. Darüber hinaus profitieren Schülerinnen und Schüler sowie Schulen vom Co-Teaching und etwaiger Schulentwicklung.

Das Westschweizer Fernsehen berichtete kürzlich zweimal aus Zermatt über den Schuljahresbeginn von zwei französischsprachigen Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Wallis (PH-VS), die aufgrund eines lokalen Lehrermangels vor dem Ende ihres Studiums eingestellt wurden. Die Nachfrage nach Lehrpersonen steigt. Während die PH-VS im Vorjahr 144 Diplome verteilte, erhielten 2019 172 Personen einen Bachelor- oder Masterabschluss, was einer Steigerung von 19% entspricht. Als Hochschule muss die PH-VS ihren Mittelbau und den akademischen Nachwuchs weiterentwickeln. In seiner Rede begrüsste Direktor Patrice Clivaz deshalb die Teilnahme von 5 Walliserinnen am Masterstudiengang Fachdidaktik, welcher von der PH-VS gemeinsam mit anderen Hochschulen der Westschweiz getragen und durchgeführt wird. Christophe Darbellay gratulierte den Diplomierten und zeigte sich zuversichtlich für die institutionelle Akkreditierung.

étudiants primés

Artikel Walliser Bote

Augmented Reality (kurz AR) erweitert die reale Welt um virtuelle Elemente. Dank der Verbreitung von Smartphones und Tablets kommt die AR-Technik nun auch im Bildungsbereich zum Einsatz. Die Pädagogische Hochschule Wallis (PH-VS) lud deshalb am Freitag, 22. Februar Fachleute aus dem In- und Ausland nach Brig ein, um konkrete AR-Projekte vorzustellen und zu diskutieren. Es zeigt sich, dass diese Technik für das Lehren und Lernen von grosser Bedeutung werden kann.

realite augmentee

Artikel Walliser Bote

Artikel Lokalmedien AR treffen